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Generation Sex and the city

20
Nov
2009

Autobahn

Ich hatte es eben in den Entwürfen gespeichert. Ein weinerliches Mail an ihn, wo so Sätze vorkommen wie "Du hältst mich jetzt für eine Heulsuse? Mir doch egal!" oder "Ich will endlich damit aufhören können, den Refresh-Button des Mailprogramms anzuklicken".
Dann piepte das Handy - er könne noch nicht sagen, ob er morgen zu mir kommt oder erst übermorgen und ob das schlimm sei.
Der Panikmodus ist also wieder aus und ich kann nicht aufhören zu lächeln.
Ich sollte in diesem Zustand keinesfalls Auto fahren. Aber ich tu es. Sogar auf der Autobahn.

19
Nov
2009

Panikattacken

Ich hab total vergessen, dass zu dem ganzen Ding ja auch die Panikattacken* dazugehören. Vielleicht war ich mir eine Spur zu sicher. "Der soll in die Gänge kommen", meinte Yono vor ein paar Tagen beim wöchentlichen Mittagessen, womit er - wiedermal - vollkommen Recht hat.
Und ich hab das merkwürdige Gefühl, dass seit diesem "Ich möchte dich wirklich unglaublich gerne sehen" etwas passiert ist.


*Panikattacke nach 28 Stunden Funkstille. Und das Trauma (und leider auch das Wissen), dass manche Männer sich einfach nicht mehr melden. Vielleicht mache ich irgendwas falsch?


Was dagegen hilft? Dosenbier, Skunk Anansie und ein paar heimliche Zigaretten.

1
Nov
2009

Date Review

Wir waren zu fünft im Abteil. Auf meinen Lippen war noch Rotwein und ich lächelte etwas verklärt vor mich hin - die blonde Mittvierzigerin mir gegenüber sah es und lächelte auch. Dabei überlegte ich kurz, ob ich nicht eigentlich weinen sollte, das hätte auch zur Situation gepasst.
Ich fuhr gerade 200 Kilometer zurück. Der Nachhauseweg von meinem Date führte durch dunkle Wälder und kleine Städte. Das Handy zeigte nichts als Roaming-Infos, klar - bei seinem Handy ist der Akku leer, das wusste ich.

Wir waren uns nach 9 Stunden Kaffeetrinken ("Bist du auch so kaffeesüchtig wie ich?), spazieren gehen ("Das machen heute alle bei diesem Wetter"), auf den Turm fahren ("Du findest mich aber nicht doof, weil ich so ein Touri-Ding geplant habe?"), Ausstellung verpassen, weil zu viel gequatscht ("Dann musst du eben bald wiederkommen, ja?") und Rotwein trinken ("Ja, ich mag im Winter auch gerne diese öligen, schweren Weine") ein Riesenstück nähergekommen.
Wir standen dann irgendwie hilflos am Bahnsteig, er genauso wie ich, beide kussunfähig, beide traurig, unschlüssig, wie es weitergeht.
Als ich schließlich nach Hause kam, spürte ich ganz deutlich, dass sich etwas verändert hatte, seit dem Zeitpunkt, als ich die Wohnung verließ.

29
Sep
2009

Kussattacken

Ob irgendwas mit meinen Lippen nicht stimme, fragte ich heute Morgen den Cowboy per Mail. Er kam mir als einziger Mann in meiner Umgebung als geeignete Auskunftsperson vor. Ich war gerade dabei zu eruieren, warum Männer überfallsartig, ohne eindeutiges Zeichen von mir, ohne "magische Kussmomente" ihre Lippen auf meine pressen.
Diese durchaus verzichtbare Episode gehört zu den Folgen einer solchen Attacke, genau wie diese. Dann war noch das da und ein Vorkommnis gestern, das ich gerade noch abwenden konnte.
Der Cowboy konnte nicht viel dazu sagen, außer, dass meine Lippen durchaus küssenswert seien und Männer normalerweise nicht ohne eindeutige Zustimmung küssen. Dass sich Männer einen Meter über den Tisch werfen, um mich mit einem Kuss zu überraschen, ohne vorher nachzudenken
- ob sie sich wirklich für mich interessieren
- gerade eine Frau in ihrem Leben wollen
- eine Freundin haben
- was sie eigentlich von mir wollen

konnte er sich auch nicht erklären.

Der Cowboy riet mir zu schwarzem Lippenstift oder einen täglichen hohen Knoblauchdosis. Meinen Vorschlag, mir die Lippen bis zur Unkenntlichkeit aufspritzen zu lassen, lehnte er ab, vergaß aber nicht zu erwähnen, dass ich IHN geküsst habe und nicht umgekehrt.

25
Sep
2009

Platzende Seifenblasen oder: Darf Frau einen Mann ansprechen?

Jede Frau hat ihren Thomas D.
Ich hab meinen vor ca. 5 Jahren das erste Mal gesehen. Er saß in einer Bar, etwa drei Tische weiter und sah aus wie Thomas D. Sein Freund neben ihm war Smudo aus dem Gesicht geschnitten.
Ich fand ihn toll - Thomas D.
Wir trafen uns immer wieder zufällig auf der Straße, lächelten, sagten "Hallo". Wir sprachen nie ein Wort miteinander. Aber immer, wenn wir uns begegneten, fand ich ihn gut.

Gestern stand ich in meiner Lieblingsbar. Plötzlich kam er rein: Thomas D. Wir hatten Blickkontakt. Sollte ich meine Illusion zerstören? Sollte ich ihn ansprechen und feststellen, dass er einen schrecklichen Dialekt hat? Total unkultiviert ist? Nichts im Hirn hat?
Das allererste Mal in meinem Leben übernahm ich die Initiative und tat das, was Frauen normalerweise NIE tun: Ich ließ ihm von der Kellnerin ein Bier bringen.

Stunden später saßen wir in einer anderen Bar, plauderten, als würden wir uns ewig kennen, lachten, lächelten, unsere Beine stießen unter dem Tisch zusammen, wir mochten uns, dachten gleich, irgendwann hauchte er mir einen Kuss auf den Mund.
Meine Illusion saß neben mir, leibhaftig, er war kultiviert, klug, sprach ohne schrecklichen Dialekt und meinte irgendwann, zum richtigen und falschen Zeitpunkt zugleich: Ich habe eine Freundin.

18
Sep
2009

Girl talk

Wir sind nur deswegen so tough, um uns von den zickigen Weibern zu unterscheiden, die zum Chef heulen gehen, weil sie sich benachteiligt fühlen. Im Job weiblich zu bleiben, ist schwer. Klar dürfen wir High-heels und figurbetonte Kostüme tragen. Klar können wir dunkelroten Lippenstift auftragen und uns Katzenaugen malen. Aber wir dürfen nicht emotional agieren, selbst wenn es angebracht wäre, weil emotional mit "Heulsuse" gleichgesetzt wird.
Als sind wir hart, viel härter als unsere männlichen Kollegen.
Aber wir sollten aufhören, die Männer dafür verantwortlich zu machen, dass uns die Türen nach oben verschlossen bleiben.
Denn leider zeigt der Alltag, dass der Feind in den eigenen Reihen sitzt. Wer Tränen einsetzt, um beim Chef weiterzukommen, ruiniert die Emanzipation.

6
Aug
2009

Ja, nein, vielleicht

Sowohl in Freundschaften als auch in Liebesbeziehungen kommt irgendwann der Punkt, an dem man Ja oder Nein sagen muss.

Wir sollten aufhören, immer nur "Vielleicht" zu sagen. Hat eine Beziehung eine bestimmte Intensität erreicht - unabhängig davon, welcher Art die Beziehung ist - muss man sich entscheiden. Wir können uns nicht immer alle Optionen offen halten, mit Nähe und Distanz spielen. Mal das eine, mal das andere praktizieren - den anderen hin- und herschieben, wie es uns gerade passt.

Meine Generation hat schreckliche Angst, eingesperrt zu werden, die Individualität zu verlieren, Verpflichtungen zu haben, sesshaft zu werden. Wir haben schreckliche Angst davor, irgendetwas könnte dauerhaft sein, konstant sein, wir könnten werden wie unsere Eltern.
Wir haben Lebensabschnittspartner, Lebensabschnittsfreunde, Lebensabschnittswohnungen, Lebensabschnittsjobs, ja, sogar Lebensabschnittsurlaubsvorlieben.

Doch irgendwann (nach dem 10. Umzug, der 20. gescheiterten Beziehung, dem dritten angefangenen Studium, ...) hat man diesen schalen Geschmack im Mund. Dann wird es Zeit Ja zu sagen: zu einem Partner, der vielleicht nicht perfekt ist. Zu Freunden, die manchmal nerven, die Sorgen haben und versorgt werden wollen. Zur Wohnung, deren Balkon eigentlich zu klein ist. Zum Job, der nicht jeden Tag Spaß macht und vor allem zu uns selbst.

Denn wer immer nur um des Suchens willen sucht, wird nie irgendetwas finden.

2
Aug
2009

Sonntagabendwellness

Push ups zu "Don't speak" in der Bossa-Nova-Version, Sit ups zu "Live and let die" im Tango-Style und schlussendlich "Offne dein Herz"-Übungen zu irgendwas Psychedelischem. Natürlich keine hektischen, sondern nur fließende Bewegungen und wir konzentrieren uns auf unseren Körper, spüren jeden Muskel, vergessen nicht zu atmen. Ich trug passenderweise statt den üblichen Reebok-Pants meine neuen Sweat-Dreiviertel-Hosen von H&M, überlegte, einen Yoga-Urlaub zu machen und fühlte mich als gestresste Großstädterin, die in der wöchentlichen Yoga-Session ihr Seelenheil sucht.

11
Jul
2009

Alte Bekannte

Na Cowboy?
Du bist nicht mehr böse auf mich?
Nicht, wenn du mir Blumen ins Büro schickst.
Blumen? Disteln oder was?



Nein, wir sprechen jetzt nicht drüber, dass ich irgendwann mit männlicher Begleitung dasaß, 10 Meter rechts von mir einer, auf den ich grad keine Lust hatte, 10 Meter vor mir einer, auf den ich generell keine Lust mehr habe und 10 Meter links von mir einer, auf den ich Lust habe, der aber nicht genug Lust auf mich hat.

9
Jun
2009

Chef-Gespräche

Treue bei Männern, meinte mein Chef heute zu mir, sei keine Frage des Charakters, sondern der Gelegenheiten. Wenn Männer etwas wollten, würden sie Frauen alles erzählen. Das Märchen von der unglücklichen Ehe sei da noch das harmloseste.
Bevor ich herausfinden konnte, warum er mir das erzählt, riet er mir von meinem Date ab. 39 und noch nie verheiratet? Da könne was nicht stimmen!
Ich lachte, nickte und dachte an seine zwei Ex-Frauen.

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