Jobkram

13
Okt
2009

Flow

Es sind ausgerechnet diese Tage. An denen alles dröhnt, man von einem Termin zum anderen hetzt, denkt, schreibt, konzipiert, Probleme löst, organisiert. Und nebenbei scheppert das Telefon ohne Unterlass, das Handy fiept mittenrein. Der Chef lobt und plaudert, ich plaudere auch - so zwischendrin.
Und irgendwann, dann, wenn eigentlich die Sollarbeitszeit schon abgedient ist, verziehe ich mich ins Besprechungszimmer und bestücke Infomappen, lege jedem noch (fast liebevoll) einen Kugelschreiber dazu, sinniere, sehe als Ergebnis zwei Schachteln voller Unterlagen und sage dem Abwesenheitsassistenten Bescheid, dass ich den morgigen Tag bei einem Congress verbringe.
Es sind genau diese Tage, diese ruhelosen, die einen schreiend glücklich machen können.

24
Jun
2009

Arbeitslos?

Ich habe seit drei Tagen nicht gearbeitet, sondern meine bezahlte Arbeitszeit damit verbracht, "Termine" zu absolvieren und "Besprechungen" beizuwohnen. Bei manchen nennt sich Zweiteres auch "Meeting" oder "Generalversammlung".
Außerdem fällt Mittagessen mit Ex-Arbeitskollegen auch ab und an unter "Geschäftsessen".
Mein Outfit ist dementsprechend, was dazu führte, dass ich heute das außerordenlich gute Kompliment "Du siehst scharf aus" bekommen habe.
Mein Job bestand also darin, gut auszusehen und ein wenig zu plaudern. (Ja, ich bekomme dafür bezahlt. Das Ganze nennt sich "PR".)

12
Jun
2009

Mankos

Ich musste heute mit Schrecken feststellen, dass ich an der Uni nicht nur nicht gelernt habe, wie man eine Steuererklärung macht.
Mir wurde auch nicht beigebracht, wie man einen Serienbrief druckt.

5
Jun
2009

Casual Friday

Mein Chef hat heute innerhalb von 5 Minuten gefühlte 100-mal "Kyoto-Scheiße" gesagt. Seit wir uns duzen, habe ich eine Menge von ihm erfahren: Er ist zum dritten Mal verheiratet, der älteste Sohn ist 31, der jüngste 8. Seine ersten beiden Ehen sind zustandegekommen, weil die Frauen schwanger wurden und dauerten jeweils nur ein Jahr. Außerdem hat er in seinem BWL-Studium genau gar nichts gelernt und versteht nicht, warum ich neidisch darauf bin. Dafür hat er mir erklärt, was Cash-Flow ist, was Stakeholder bedeutet und verwies mich auf die Frage nach "versteckten Dividenden" an den Geschäftsführer. Der würde mir das bestimmt gerne erklären, meinte er und setzte ein dreckiges Grinsen auf.

29
Mai
2009

Woche vier - überlebt. (und damit die Probezeit)

Ich habe diese Woche schon wieder ganz viel gelernt:

- der Chef braucht Assistenz beim USB-Stick anstöpseln und PP-Präsentation starten
- das Blatt muss mit der Schrift nach unten ins Fax
- an Tagen mit GV brauche ich einen strengen Haarknoten, 8 Kaffee, gute Nerven, am Abend Pilates und Minimum zwei Saunagänge
- ich weiß jetzt, was upstream, midstream und downstream bedeutet
- Ich habe ein total schönes Büro (meinte heute mein Büro-Besuch)
- Microsoft Access ist eine tolle Sache
- SAP ist dagegen ein Buch mit sieben Siegeln
- das Schönste an einer aufregenden Woche ist das Wochenende

27
Mai
2009

Business-Talk

Diese Businessmenschen haben es jetzt geschafft: Ich denke bei der Abkürzung "GV" nicht mehr automatisch an Geschlechtsverkehr, sondern an Generalversammlung.

22
Mai
2009

Woche drei - überlebt

Auch in Woche drei wieder viel gelernt (und erfahren):
- mein Chef ist zufrieden und freut sich auf seinen Urlaub im Juni
- Werbeagenturen zu briefen, ist ziemlich schwierig
- fetzige Autoartikel zu schreiben, ist nicht so schwierig
- ich liebe es zu schreiben!
- Feste organisieren bedeutet, die zu koordinieren, die schlussendlich alles machen
- was auch immer ich delegiere: besser hätte ich es selbst gemacht
- das Budget ist endlich
- Vertragsunterzeichnungen sind langweilig
- bei Geschäftsessen darf man das Teuerste bestellen
- geh niemals ohne Visitenkarten irgendwohin

15
Mai
2009

Woche zwei - überlebt (naja, mehr schlecht als recht)

Und wieder verdammt viel gelernt:
- dem Chef alles dreimal geben, bevor man's rausschickt
- trau niemals einer Agentur, die ein Event an dem Tag plant, an der Giro d'Italia in der Stadt ist
- Schuhe kaufen tröstet nicht immer
- meine Assistentin hat der Himmel geschickt
- immer souverän bleiben
- niemals ohne Visitenkarten auch nur auf die Toilette gehen
- Mails lassen sich mit Outlook wieder zurückholen
- wenn die Vizebürgermeisterin eines Mini-Kaffs mich ständig mit "Frau Magister" anspricht, dann muss ich sie "Frau Vizebürgermeister" nennen
- in der Probezeit kann ich ohne Angaben von Gründen fristlos kündigen
- die Wahrscheinlichkeit, dass mein Vertrag nach einem Jahr verlängert wird, ist gering. Das liegt nicht an mir oder meiner Leistung, sondern an den Wundern, die erwartet werden.

8
Mai
2009

Woche eins -überlebt

Ich hab verdammt viel gelernt in dieser Woche.
Zum Beispiel, was ein Störer ist. Und dass mein Chef die Hauptsachen in Nebensätzen sagt. Und dass ich nie nie nie ohne Block und Kugelschreiber zu ihm gehen darf. Und dass es zum Business-Outfit keine Alternative gibt - oder wer will schon in Jeans und T-Shirt zwischen Anzugmännern sitzen?
Ich hatte gestern kurzzeitig das Gefühl, dass ich das alles schaffen kann.
Mein Unwort des Jahres wird jedenfalls "Geschäftsbericht".

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