Lebenskonzepte

19
Apr
2009

Die Kolumnistin ist erwachsen

"Irgendwann in den letzten Jahren", flüsterte ich meinem Gegenüber zu, "ist es passiert." Wir saßen in einer WG-Küche, um uns herum Dutzende Menschen mit Pappbechern in der Hand. "Ich bin wohl erwachsen geworden." Ich knipste den Ironie-Modus an, trank Bowle, plauderte am Balkon mit Fremden, ignorierte das Stückchen Pot, das auf einer Untertasse bereitlag wie ein Bonbon. "Andere Welt!", antwortete das Gegenüber und baggerte die Blonde an. Ich traf alte Bekannte, sprach über Afrika, hörte was über Indien, tauschte irgendwann die Bowle gegen Dreh&Trink mit Kirschgeschmack (wieso mögen das Kinder so sehr???) aus und verließ die Party kurz nach Mitternacht.
Auf dem Heimweg ließ ich Clueso im Loop dieses Lied singen:




Edit: Ich kann sie euch nicht vorenthalten, die beiden SMS, die ich frühmorgens vom Gegenüber bekam, das offensichtlich noch weiterzog:

6.19 Uhr: Vorlauter schmusen wieder zu früh. (??)
8:01 Uhr: Schnusen! Und guten morgen! (?????)

25
Feb
2009

In Wirklichkeit bin ich verliebt

In Wirklichkeit ist das alles ganz anders. In Wirklichkeit ist das nicht so easy-cheesy wie gestern geschrieben. In Wirklichkeit habe ich gestern Abend schon meinen Namen mit einem "Doktor" davor laut gesagt. Mein Gegenüber hat genickt. Er fragte nicht, was das brächte, sondern sah mich an, als wäre es das Logischste der Welt, dass ich promoviere. In Wirklichkeit habe ich schon ein Mail an meinen hoffentlich zukünftigen Doktorvater geschickt.
Eine Flasche Rotwein und ich haben letzte Nacht über ein Thema nachgedacht. Es gibt einen Ordner auf meinem Desktop, der "Diss" heißt. Drin ist ein fünfseitiges Dokument mit dem Namen "Konzept Diss". Es geht um Literaturkritik und Internet.
Heute Morgen wachte ich lächelnd auf. Fast so, als wäre ich verliebt.
Ich machte mir Locken und trug Lippenstift auf. Wenig später zog ich rote Nummern und folgte gelben Fußspuren.
Heute Abend auf dem Laufband wird weiter braingestormt. Wäre doch gelacht, wenn ich nicht 200 Seiten mit schlauen Dingen füllen könnte.

13
Feb
2009

Klarstellung

Ich bin nicht berufsjugendlich. Auch wenn das den ganzen Berufsjugendlichen, die so rumlaufen, nicht passt.
Ja, ich trage Kapuzenpullover: beim Sport, zuhause, im Trekkingurlaub. Ich trage auch Joggingschuhe. Und zwar beim Sport.
Nicht, wenn ich ins Kino gehe, oder zu einer Lesung oder wenn ich Freunde treffe.
Ich bin nicht wie ihr. Es gibt keinen Grund, mich merkwürdig anzusehen. Nur weil ich rosa Lippenstift trage, heißt das nicht, dass ich doof bin. Ich bin keine Sekretärin, falls ihr das denkt. Und selbst wenn ich eine wäre: Ihr seid doch so supertolerant, nicht? In Wirklichkeit seid ihr das nicht. Grün wählen, aber intolerant sein. Ihr verratet euch doch selbst, die ganze Zeit.

Ja, ich putze ab und an meine Schuhe, trage Push-up-Bhs, feile meine Fingernägel, kaufe bei H&M, manchmal auch teurer. Ich steh drauf, demnächst in einem 5-Stern-Hotel Kurzurlaub zu machen, in Schicki-Micki-Bars rumzuhängen, bei Eröffnungen VIP zu sein.
Ihr könnt gern da hin kommen, mit Kapuzenpullovern, Turnschuhen, Rastas, Make-up- und deofrei.
Aber hört auf, mich merkwürdig anzusehen.

3
Jan
2009

Die Freundinnen meiner Mutter werden immer unverschämter

"Sie sind doch ein hübsches Kind. Warum heiraten Sie denn nicht?"

Gegen so eine dumme Frage hilft nur ein Kinoabend* mit Bier. Woody Allen ist eben der einzige Erwachsene, der mich versteht.

*Ich bin so wie Cristina, obwohl ich lieber wie Vicky wäre.

13
Dez
2008

Gut, dass es für alles ein Wort gibt.

Ich bin ganz offensichtlich ein Loha.

18
Nov
2008

Gott war auch mal in der Wüste

Gott war in der Wüste ein ziemlich großes Thema. Warum weiß ich inzwischen auch nicht mehr. "Es muss einen Gott geben", höre ich mich selbst noch sagen, "sonst gibt das alles keinen Sinn."
Wieso Gott gestern, als ich spät vom Abendessen heimkam, ausgerechnet dieses Lied im Radio spielte, weiß ich aber auch nicht.
Nur dass ich gerne die CD hätte und Amazon diesmal versagt.

10
Jun
2008

Ich suche mir einen Mann. Das hat in erster Linie wirtschaftliche Gründe

Je höher der Bildungsgrad, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass man Single bleibt.
Da könnte man ja einfach schlussfolgern, dass Singles eben schlau genug sind zu wissen, dass Beziehungen nicht funktionieren. Auch wenn man das nicht auf der Uni lernt.

In meinem Umfeld wimmelt es vor Singles: manche glücklich, manche weniger. Und ich bin mittendrin. Ich bin nicht glücklich mit dem Singlesein, aber unglücklich bin ich auch nicht richtig.
Der Denkfehler liegt vermutlich hier: Ich kann mir einfach schlecht vorstellen, dass es zwischen absoluter Verpflichtungslosigkeit und dem Kombi-1,4-Kinder-Hausbauen-Ding noch etwas gibt.
Gibt es das, und wenn ja: Wie sieht das aus? Living apart together - ist ja eine Zeitlang ganz schön, aber auf längere Sicht verzichtet man auf den einzigen wirklich festmachbaren Vorteil einer Beziehung: das Leben zu zweit ist viel billiger als das Leben allein.
(Achja: Auslöser für diesen Eintrag war ein Blick auf den Kontoauszug. Ich habe doch tatsächlich Fixkosten von über 1000 Euro im Monat. Und keinen Gönner, der das bezahlt.)

20
Apr
2008

WG-Partys

Wer auf einer WG-Party landet, ist zwangsweise mit einer Frage konfrontiert: "Was studierst du?"
Wenn man den akademischen Titel aber schon inne hat, und das vielleicht schon seit Längerem, bekommt man unmittelbar auf die Antwort zu hören: "Wie alt bist du?"
Nun bin ich Ende zwanzig, in den Augen mancher Studenten also noch gar nicht so alt, und bin trotzdem älter als die Über-30-Studierenden mit Rastalocken. Alter hängt offenbar nicht nur mit dem Geburtsdatum zusammen, sondern auch mit dem Lebensstil. Ich bin nur froh, dass die 25-Jährigen, die bereits zwei Kinder haben und verheiratet sind, als älter gelten als ich.

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